Rundgesang beim Jahreswechsel.
“Es kann doch nicht immer so bleiben!”
Dies ist wohl ein treffliches Wort;
Wir seh’n ja das emsige Treiben
Der Zeiten, und eilen mit fort.Wir sehen die Wechselgestalten;
Oft wird uns die Brust so beengt.
Wir werden, so kühn wir uns halten,
Am Ende doch Alle verdrängt.Wir sahen die Rosen erblühen;
Wir herzten des Lenzes Gestalt;
Wir fühlten den Sommer erglühen,
Empfanden des Schicksals Gewalt.Wir eilen dem Herbste entgegen;
Es häufen sich Dornen am Pfad’;
Und eh’ wir es reiflich erwägen,
Hat sich auch der Winter genah’t.Da tritt denn bisweilen die Thräne,
Die heimlich das Herz sich erkohr,
Auf daß sie die Wehmuth versöhne,
Verschämt in die Wimper hervor.Doch scheuche den Wurm und die Grillen;
Dein Himmel sei heiter und klar!
Das Herz soll nur Freude erfüllen
Im wiederbeginnenden Jahr’!“Es kann ja nicht Alles so bleiben!”
Man ließ, seit die Erde besteht,
Großthaten in Marmor beschreiben;
Die Zeit hat die Inschrift verweht.Hoch kreisen Planeten um Sonnen
Im ewig gemessenen Lauf’;
Und neu hat die Aera begonnen,
Sie dämmert aus Osten herauf.Wie purpurne Farben dich mahlen,
Dich freundlich erwachendes Jahr!!
Du reichest auf güldenen Schalen
Den Zauber der Hoffnung uns dar.Du strahlst auf Bavariens Gauen
So schön und beglückend herein!
Wir hoffen, und wollen vertrauen:
So hold wirst du immer uns sein.Wirst still in des Königes Leben,
Das lieblich und thatenreich grünt,
Die Liebe der Bayern verweben,
Zum Lohne, den Ludwig verdient.Du wirst Sie erhalten und schirmen
Die Königin, herrlich und hehr!
Und wenn Sie Gefahren umthürmen:
Das Volk sei Ihr sichere Wehr!!Und hörst du der Freude Getümmel,
Wenn Otto sein Hellas erblickt;
So trage die Bitte zum Himmel:
Sein Leben sei froh und beglückt!Erhalte die Tapfern und Treuen,
Die muthig im Wohl und im Weh’
Ihr Leben dem Könige weihen,
Wie Felsen in stürmischer See!Uns Allen gieb heitere Tage;
Bevest’ge errungenes Glück!
Und hörst du des Trauernden Klage;
So scheuche das böse Geschick!Und kann es doch nimmer so bleiben;
Und thürmen sich Wolken zu Hauf’ —
Kein Sturm soll zu sehr uns betäuben,
Die Zeit rollt den Vorhang schon auf.
Ludwig E. Nottnagel
Ähnliche Artikel:






Comments are closed.